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Zahnseide - ein brandaktuelles Thema

Die Zahnseide dient zur Reinigung enger Zahnzwischenräume und ist die einzige Hilfe zur Reinigung des Kontaktpunktareals. Ihre Anwendung muss unbedingt professionell instruiert und kontrolliert werden. Von der Industrie werden gewachste und ungewachste Zahnseiden angeboten. Vorteil der ungewachsten Zahnseide ist das akustische Anzeigen der erreichten Plaquefreiheit durch ein kratzendes Geräusch. Konkave interdentale Zahnoberflächen sind mit der Zahnseide nicht zu erreichen.

Schadenspotenzial: falsche Anwendung der Zahnseide führt zu Verletzungen im Zahnfleischbereich.

Stellungnahme zur US-Ablehnung der Zahnseide von Dr Corinna Bruckmann (Univ. Zahnklinik Wien)
Worum geht es bei dieser Meldung: dass die Leutchen sich jetzt wieder nicht die Zahnzwischenräume reinigen sollen, weil es eh nichts bringt? Das wurde ja in der Originalpressemeldung nicht ausgedrückt, sondern:

  1. Bei strenger wissenschaftlicher (d.h.: Berücksichtigung evidenzbasierter Beurteilungskriterien) Betrachtung ist die Datenlage/die Evidenz für Zahnseide (ZS) dünn, da große, prospektive Langzeitstudien (mindestens 12 Monate, um Kariesreduktion zu beurteilen!) nicht vorhanden sind.
  2. Der richtige Gebrauch von ZS setzt eine hohe manuelle Geschicklichkeit voraus. Daher zeigen die Studien, bei denen die Verwendung von ZS angeleitet bzw. von Fachpersonal durchgeführt wurde bessere Ergebnisse in Hinsicht auf Gingivitisreduktion. Dies ist ein Hinweis auf die unabdingbare Wichtigkeit der gut durchgeführten, individuellen, auf die persönlichen Bedürfnisse und Schwachstellen eingehenden Mundhygieneinstruktion im Rahmen der PZR.
  3. Es zeigt sich auch, dass bei größeren Zahnzwischenräumen die Interdentalbürsten besser sind, Plaque zu entfernen – wieder ein Hinweis auf individuelles Training, denn erfahrungsgemäß werden zu kleine Bürstchen verwendet. Zahnseide erreicht nicht an die Einziehungen an der Zahn-(wurzel-)oberfläche heran!
  4. Da ZS zumeist (bis auf wenige Fälle von Selbstverletzung) nicht schadet, ist die Aussage, dass es nichts hilft, nicht zulässig. In den Studien waren mehrheitlich gesunde Menschen. Gingivitis ist aber wahrscheinlich die weitverbreitetste Erkrankung.
  5. Die Österreichische Gesellschaft f. Parodontologie empfiehlt daher Folgendes: "Bei Gingivitis soll die Anwendung von Zahnzwischenraumbürsten professionell und individuell instruiert werden. Andere Hilfsmittel zur Zahnzwischenraumreinigung können angewendet werden, sollten Bürsten nicht geeignet sein. Vorsicht bei Bürsten ist bei Anwendung in gesunden Interdentalräumen angezeigt, da es hier durch Trauma zu Attachmentverlust kommen kann. Das kann ein Einsatzgebiet von Zahnseide sein. Professionelle Anleitung ist unabdingbar nötig, um optimale Effizient zu erreichen und Trauma zu vermeiden."
  6. Der Vorwurf, es handele sich um Industriestudien lässt sich nicht halten.
    Danksagung an Dr. Corinna Bruckmann, M. Sc.
 

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